Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
heute ist es soweit: das Pilotprojekt „Digitale Dividende – Hessen“ in Hofbieber startet mit der Ausgaben der Endgeräte!
Lassen Sie mich insoweit allgemein anmerken: Die kommunalen Infrastrukturen sind wichtige und jeden Tag erlebbare Lebensbedingungen. Neben Straße, Wasser- und Abwasser als klassische kommunale Daseinsvorsorge, tritt immer mehr auch die Infrastruktur der Kommunikationstechniken.
Gerade auch im Biosphärenreservat Rhön sieht sich die Gemeinde Hofbieber als ländliche Gemeinde vor der Aufgabe die technischen Rahmenbedingungen für Sie zeitgemäß zu gestalten.
Hierzu hat die Gemeinde Hofbieber einerseits im Rahmen der Mobilfunkleitlinie eine Vorgabe für die Erschließung mit Mobilfunktelefonversorgung beispielhaft im Landkreis Fulda erstellt. Andererseits hat die Gemeinde Hofbieber auf Basis eines Beschlusses der Gemeindevertretung einen technikübergreifenden Versorgungsansatz für die Breitbandinternettechniken:
Primär will die Gemeinde Hofbieber die leitungsgebundene DSL Versorgung ausgehend von den Knotenpunkten Langenbieber und Schwarzbach verbessern. Hierzu werden Leerrohre und zum Teil Glasfaserkabel in Abstimmung mit der Deutschen Telekom bei Gelegenheiten von Straßen- oder Rohrleitungsbaumaßnahmen verlegt. Soweit die Deutsche Telekom derzeit einen Investitionsstopp verhängt hat, wird die Gemeinde Hofbieber notwendigen Sicherungsmaßnahmen vornehmen, d.h. wir verlegen die Leerrohre auf eigene Kosten.
Als zweites forciert die Gemeinde für die Ortsteile, die derzeit unter 2 MB Breitbandversorgung aufweisen (Elters mit Steens, Kleinsassen mit Schackau sowie Danzwiesen) eine Mindestversorgung über den Funkstandart WiDSL. Hier arbeiten wir auf Basis einer Ausschreibung mit der Fa. OR-Network, Grünberg, zusammen. Als Teilprojekt sollen insbesondere Gewerbestandorte oder Einzelinteressenten mit höheren Bandbreiten im A- DSL und S-DSL-Bereich versorgt werden (hier sind Einzellösungen zu finden).
Darüber hinaus nimmt die Gemeinde Hofbieber drittens die Chance wahr, die sich aus der sogenannten digitalen Dividende (Umstellung des Fernsehempfangs auf Digitalfunk) ergeben. Hier gibt es eine Initiative der Bundesrepublik Deutschland zur Breitbandversorgung im ländlichen Raum. Die Gemeinde Hofbieber ist dabei Standort für den einzigen hessischen Modellversuch des Wirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit der Hessenagentur und der Fa. Vodafone. Ausgehend vom Mobilfunkturm Hofberg wird die Versorgung mit Internetdienstleistungen für die Ortsteile Hofbieber, Allmus, Traisbach, Wiesen und Niederbieber durch die Fa. Vodafone versuchsweise für 1 Jahr mit einer Versorgung mit dem UMTS-System im Frequenzbereich 850 MHz durchgeführt. Es sollen zunächst Datenraten bis zu 7,2 Mbit/s (Download) und bis zu 1,4 Mbit/s (Upload) garantiert werden.
50 Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen der vorbenannten Ortsteile haben Ihr Interesse an der Teilnahme an dem Modellversuch bekundet.
Dies zeigt, dass die Versorgung mit Breitband Internet im Ländlichen Raum wirklich drängend ist. – Der Modellversuch zur „Digitalen Dividende“ ist insoweit eine hervorragende Gelegenheit dies auch einer breiten Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Ziel muss es sein, die Lebensverhältnisse im Ländlichen Raum so zu gestalten, dass wir nicht abgehängt werden. – Interessant für mich ist die Erfahrung, dass nach Bekanntwerden unseres Projektes in der gesamten hessischen Rhön inklusive des Oberzentrums Fulda sowie des Mittelzentrums Hünfeld eine breite Diskussion über eine bessere Internetversorgung begonnen hat. Insoweit hat dieser Versuch sein erstes Ziel voll erreicht. – Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen auf allen Ebenen erkennen, dass nur ein konsequenter Technikmix in der Lage ist zeitnah eine Versorgung mit Breitbandinternet zu ermöglichen – auf Dauer ist eine Versorgung mit leitungsgebundenem DSL erstrebenswert, da auch beim DSL die Entwicklung zu immer mehr Bandbreiter weiter geht.
Den Kritikern des Modellversuches, die sich daran stören, dass die technische Basis „Mobilfunk“ basiert ist, halte ich entgegen, dass der Pilot unserer Mobilfunkleitlinie entspricht: es entstehen keine neuen Mäste. Auch wird heute in vergleichbaren Bandbreiten schon gesendet (z.B. D-Netz und T-Mobile ca. 900 MHz). Im Übrigen helfen uns in kommunalen Versorgungsfragen Extrempositionen nicht weiter. Es ist hier eine Abwägung zu den Interessen von Bürgern (Freizeitnutzung und Bildungszugang) und Unternehmern (Wirtschaftsförderung) erforderlich. Die Gemeinde Hofbieber hat sich zu einem technikübergreifenden Versorgungsansatz entschieden. Langfristig streben wir eine leitungsgebundene Versorgung an. Lassen Sie mich persönlich anmerken („manchmal hilft auch analoges Denken“) die Gemeinde Hofbieber strebt z.B. an die Stromleitungen unterirdisch verlegt zu bekommen. Dies ist auch ein Prozess der sehr lange dauert, weil teuer und technisch mit Aufwand verbunden. Außerdem sind wir in beiden Fällen von dritten Unternehmen abhängig. Im Ergebnis: die Kritik sollte sich gezielt gegen die langsame Erschließung mit Leitungsgebundem DSL seitens der Telekom richten, nicht gegen die, die für eine Alternative Sorge tragen, um Nachteile für uns auszugleichen.
Ich will mich bei der Bundesregierung für die Initiative zur Digitalen Dividende, beim Land für die Chance des Pilotversuch hier in Hofbieber im Landkreis Fulda und bei der Mehrheit der Vertreter der gemeindlichen Gremien für deren Verständnis um Infrastrukturvoraussetzungen für unsere Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen bedanken. Möge uns dieser Feldversuch nützen!
Ihr
Marcus Schafft
Bürgermeister
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